Auszug aus meinem Aufsatz „Gedanken zur politischen Lage

(Beginn 1995, mit späteren Fortsetzungen).

Diesen Abschnitt hatte ich seinerzeit auch als Leserbrief an die FAZ geschickt. Er wurde leider nicht veröffentlicht.

  

12. Zur Diskussion um den „Generationenvertrag”: Juni 1997

 Der Begriff „Generationenvertrag” beinhaltet vordergründig das Verfahren, die derzeit arbeitende und verdienende Generation zur Finanzierung der Rente ihrer Eltern heranzuziehen, so daß eine gleichzeitige Verrechnung erfolgt, im Gegensatz zum Versicherungsmodell, in welchem jeder während seiner aktiven Lebensphase im voraus für seine Alterssicherung sorgt. In Wirklichkeit besteht jedoch kein prinzipieller Unterschied; es ist lediglich ein anderes Abrechnungssystem: In früheren Zeiten war es die Altersversorgung für die Eltern, viele Kinder zu haben, da diese direkt für ihre Eltern im Alter sorgten. Dies ist der eigentliche Generationenvertrag. Nur wurde er früher direkt wirksam, während heute das Abrechnungssystem anders ist und den Umweg über den Staat nimmt. Letzteres hatte bewirkt, daß die Schicksalsgemeinschaft zwischen den Generationen, also der Generationenvertrag im eigentlichen Sinne, aus dem Bewußtsein der Bevölkerung schwand, und man in schwierigen Zeiten nun nach dem anonymen „Staat” ruft, ohne sich darüber im klaren zu sein, daß die eigenen Kinder einmal den Staat werden bilden müssen. Mit anderen Worten: Wer sich bei Beendigung seines Arbeitslebens nicht mit einem vergifteten Strick erschießen will, daß das Messer hinten herausschaut, der muß sich um die nachfolgende Generation kümmern, unabhängig vom gewählten Abrechnungssystem, sei es direkt wie früher, oder sei es der „Generationenvertrag” wie zur Zeit, oder sei es das von einigen, insbesondere der FDP angestrebte Versicherungsprinzip der pekuniären Vorsorge. Denn auch im letzteren Fall kann nur eine florierende Wirtschaft der nachfolgenden Generation das angesparte Vermögen retten, und dafür Sorge tragen, daß es nicht durch Inflation und andere Unwägbarkeiten zunichte gemacht wird. Es wäre an der Zeit, der Bevölkerung, und insbesondere den Politikern klarzumachen, daß zur Lösung der Rentenprobleme keine Rechenkunststücke taugen, sondern nur eine Rückbesinnung auf die Familie mit Kindern. Vielleicht kann man die Hoffnung hegen, daß neben diesem hier angesprochenen rein demographischen und wirtschaftlichen Aspekt auch einmal eine Rückbesinnung auf die ethischen Werte der Familie im Bewußtsein der Bevölkerung aufkeimt. Bei den Politikern ist derzeit jedenfalls nichts davon zu spüren.