EU in Brüssel
Was macht man mit geltungssüchtigen Mitmenschen, die nicht zum Politiker, nicht einmal zum Sportfunktionär taugen, oder deren Ehrgeiz der eigenen Geltungssucht im Wege steht, so daß man um seine eigene „Beinfreiheit” fürchtet?
Man „lobt” sie ab nach Brüssel.
Doch so dumm sind die Abgeschobenen denn doch nicht, daß sie nicht merken, daß die Belobigung eine Abschiebung ist. Daher haben sie beschlossen, sich für diese Behandlung fürchterlich zu rächen.
Im eigenen Land wurden sie sowohl von den Schaltstellen als auch von den Fleischtöpfen verdrängt. Auf Entscheidungen und politische Weichenstellungen hatten sie keinen Einfluß mehr, auch weniger Teilhabe an öffentlichen „Töpfen”. Nun drehen sie den Spieß um:
In einer völlig überdimensionierten und aufgeblasenen „Verwaltung”, die nur zur Bedienung der Eitelkeiten der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten solche Ausmaße angenommem hat, ist jede demokratische Kontrolle ad absurdum geführt. Hier können sie sich ungehindert austoben. Wer sich hierüber näher informieren will, dem sei folgende Literatur empfohlen:
Enzensberger, Hans Magnus: „Sanftes Monster Brüssel oder die Entmündigung Europas”
Berlin 2011, Suhrkamp Verlag
Menschen, die verärgert darüber waren, daß man sie an den wesentlichen politischen Schaltstellen nicht mehr an Entscheidungen und Einflußnahmen (die sie am liebsten ganz alleine bestimmt hätten) mitbeteiligen wollte, denken sich alle möglichen und unmöglichen Sachen aus, welche sie dann hinter den Kulissen, ohne daß es die Bürger in der EU merken, zu einer sogenannten „Richtlinie” aufmöbeln, und können dann zu denen, von denen sie nach Brüssel gedrängt wurden, sagen: „So, jetzt müßt ihr nach unserer Pfeife tanzen! Wir sind jetzt die Diktatoren!” Das hebt natürlich das Selbstbewußtsein der Brüsseler Politiker und Beamten und befriedigt den Rachedurst und das eigene krankhafte Geltungsbedürfnis. Von diesen „Richtlinien” erfährt der Bürger aus den Medien immer erst dann, wenn sie bereits erlassen worden sind, und deren Zustandekommen wird, wenn überhaupt, nur bruchstückhaft berichtet.
Im übrigen ist der Begriff „Richtlinie” irreführend. Ich kenne die Übersetzungen in andere europäische Sprachen nicht, doch daß eine „Richtlinie” Gesetzescharakter hat, wissen wir erst nach langjährigen leidvollen Erfahrungen des Brüsseler Schwachsinns, der sich, wie oben schon gesagt, jeglicher demokratischen Kontrolle entzieht. Deshalb benutzen auch viele Parteien und Interessenvertreter den Umweg über Brüssel, um insgeheim irgendeinen Blödsinn durchzusetzen, den sie national nicht durchsetzten konnten, um dann scheinheilig zu sagen: „Da können wir nichts für; das ist europäische Richtlinie.”
Doch die Unkontrollierbarkeit dieses monströsen Verwaltungsdickichts hat noch eine weitere wesentliche Folge: Hier sind Lobbyisten aller Art Tür und Tor und Toren geöffnet. Und so rächen sich die Abgeschobenen auch in dieser Hinsicht: Wenn sie vorher von den nationalen Fleischtöpfen weggedrängt wurden, können sie sich auf diesem Brüsseler „weiten Feld” schadlos halten.
Da so viele hochbezahlte Beamte in Brüssel offensichtlich wenig zu tun haben, können sie sich alles mögliche einfallen lassen, um die zu ärgern, von denen sie abgeschoben wurden, und falls ihr Einfallsreichtum wider Erwarten nachläßt, helfen die Lobbyisten ihnen gerne nach. Im Laufe der Zeit hat sich die Situation offensichtlich zu einem Wettlauf der Lobbyisten entwickelt, so daß die Frage: Was ist sinnvoll?” völlig verdrängt wurde von der Frage: „Welchen Lobbyisten wollen wir bedienen?” Dadurch wurde der Grundsatz der Subsidiarität nicht nur in den Hintergrund gedrängt, sondern völlig ausgehebelt und letztlich ignoriert, da er ja bei der Bedienung der Klientel hinderlich ist. Überhaupt ist der Begriff „Subsidiarität” für die Brüsseler Beamten offensichtlich ein Fremdwort, und wenn sie sich tatsächlich die Mühe machen würden, dieses Wort im Fremdwörterlexikon nachuzuschlagen, würden sie vermutlich die Erklärung nicht verstehen. Jede Einzelheit soll geregelt werden, von der Form der Gurke über die Art der Beleuchtung bis hin zum Olivenöl in Gaststätten. Mit welchen Ausdünstungen kranker Hirne in Brüssel müssen wir denn noch rechnen? Für alles gibt es irgendwo eine Lobby. Offensichtlich soll jeder Furz europaweit einheitlich geregelt werden: Die Kommission ordnet je nach Jahreszeit die Duftnote an: Maiglöckchenduft im Frühling, Rosenduft im Sommer, Duft von Kartoffelfeuern im Herbst und Tannenduft im Winter. Zur Einhaltung dieser Richtlinie wird ausschließlich ein Gerät der Firma „Windofin” zugelassen, welches an das Gesäß anzuschließen ist. Zuwiderhandlungen oder falsche Duftwahl werden mit Bußgeld belegt. Die Einzelheiten der „Richtlinie” wurden von den Beamten der Kommission nach jahrzehntelangen Erprobungsphasen und jahrzehntelangen Praxistests an den eigenen Bürostühlen festgelegt. Es wird immer schlimmer mit der Brüsseler Regelungswut und die verantwortlichen Politiker, die ohnehin von Natur aus alles besser wissen und hochgradig beratungsresistent sind, wollen sich das Abstellgleis mit Swimming - Pool möglichst lange erhalten, denn wo soll man mit den unbequemen Kollegen denn sonst hin? Sie merken überhaupt nicht die Rache der Abgeschobenen und begreifen nicht, daß diese ihnen gerade ihre eigene Handlungs- und „Beinfreiheit” entscheidend beschneiden.
Wer weiß, welche Kakophonien uns dieses Rectalbratschenorchester aus Brüssel noch zu Gehör bringen wird?
Am besten wäre, die gesamte Struktur der EU von Grund an neu aufzubauen, und zwar einfach, durchsichtig und vor allem demokratisch kontrolliert. Die Vertreter der bisherigen Strukturen, egal ob Politiker oder Beamte, sollte man in den unverdienten Ruhestand schicken.
Hubert Burchert
P.S.: Wenn das mit den „Experten” der EU- Kommission so weitergeht, müssen wir wohl bald mit einer Richtlinie aus Brüssel rechnen, mit der die Stärke von Lichthupen an KFZ auf eine bestimmte Phonzahl beschränkt wird.