Neuwieder hat Patent auf Wasserhebeanlage

 

Technik Lösung für Wüsten gebaut - Für Realisierung fehlt Firma

Oberbieber. Immer wenn Hubert Burchert im Fernsehen die Bilder von Dürren sah, dachte er: Da muss es doch eine günstige Lösung geben, Grundwasser nach oben zu fördern.    Der pensionierte Mathe-und Physiklehrer erfand eine Was­serhebeanlage, die ohne Strom und große Technik auskommt. Seit Anfang vergangenen Jahres hat er darauf sogar ein Patent. Aber er fin­det kein Unternehmen, das Inte­resse an der Umsetzung hat.

„Die bisherigen Brunnen in der Sahelzone sind immer schnell ver­sandet", sagt Burchert. Also muß­te seine Konstruktion nicht nur oh­ne Strom und große Technik aus­kommen, sondern- auch möglichst dicht sein.  2013 begann der Pensi­onär, der bis 2010 am Rhein-Wied-Gymnasium unterrichtet hat, eine erste Idee zu konkretisieren und bastelte in seinem Hobbykeller ein kleines Modell. „Ich kann ja nicht irgendeinen Unsinn anmelden, der nicht funktioniert. "Vereinfacht gesagt, besteht die­ses aus verschiedenen Kammern, wobei die unterste von ihnen im Wasser liegen muß. Gibt man et­was Druckluft oder Unterdruck auf die Anlage, läuft die unterste Kam­mer voll. Dank eines Schwimmers und eines Gewichts pro Kammer steigt das Wasser dann immer hö­her. „Allein mit der Luft aus der Lunge kann man das Wasser zwei bis vier Meter nach oben bringen", erläutert Burchert. Mit Blasebälgen sei deutlich mehr möglich. Gebraucht werde lediglich ein gebohrtes Brunnenloch mit einem Mantelrohr, in das dann die Kons­truktion mit einer für die Tiefe not­wendigen Anzahl an Kammern eingelassen wird. „Das können auch 200 Meter sein", sagt der Tüftler aus Oberbieber. Die Öff­nungen für die Luft am Rohr müs­sen mit einem Filter verschlossen werden, damit kein Sand eindrin­gen kann. „Für kleinere Lebens­gemeinschaften von 40 bis 50 Men­schen reicht das Wasser", schätzt Burchert.

Im November 2015 hat er seine Idee als Patent angemeldet, im Februar 2017 ist es ihm erteilt wor­den. „In Deutschland gibt es aber keinen Markt für die Wasserhebe­anlage" , sagt Burchert. Also braucht er ein internationales Patent. „Das fängt bei 35 000 Euro an", meint der Tüftler, zu viel für ihn. Für sein deutsches hat er 350 Euro Prü­fungsgebühr bezahlt. Er schrieb an das Bundesentwicklungsministeri­um in der Hoffnung, dass die es an­melden und nutzen. nAber die wa­ren nicht interessiert, das hat mich schon geärgert", erzählt er. Aber der Oberbieberer ist nie­mand, der schnell aufgibt. Er wandte sich an die IMG, eine Tochtergesellschaft der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz. Die bekam als Rückmeldung von ei­nem Unternehmen, dass bei grö­ßeren Tiefen das Risiko hoch ist, dass in irgendeiner der Kammern ein Ventil klemmt und die Anlage nicht mehr funktioniert, aber die Idee prinzipiell „schlau" sei.

Das wollte Burchert so nicht ste­hen lassen und tüftelte weiter - ein Jahr lang. Jetzt hat er seine Anlage so, weit verbessert, dass er einen neuen Antrag beim deutschen Pa­tentamt gestellt hat. Die Details möchte er, deshalb noch nicht ver­raten. Damit wächst die Hoffnung des 70-Jährigen, dass ein Unter­nehmen sein Patent kauft und mit seiner Wasserhebeanlage irgend­wo auf der Welt die Not gelindert wird. „Ich will kein Millionär wer­den, aber eine gewisse Anerken­nung für meine Arbeit wäre schon schön", meint Burchert, der an ei­ner neuen Idee tüftelt, aber noch nichts verraten will.

Yvonne Stock