Zur „Schule der Zukunft” von Frau Hubig
Kürzlich las ich in der Rhein-Zeitung einen Artikel über die „Schule der Zukunft” von Frau Hubig, der für die Schulen und das Bildungswesen in Rheinland-Pfalz zuständigen Ministerin. Eine Fahrt mit der Geisterbahn auf der Kirmes ist überhaupt nichts dagegen. Diese geballte Ansammlung von rein ideologisch bedingtem, unwissenschaftlichem und jeder praktischen Erfahrung widersprechendem grobem Unfug lohnt sich nicht im Einzelnen zu kommentieren. Wenn man bei Wikipedia einen Blick auf die Vitae der 16 „Experten” wirft, welche die Ministerin beraten, so findet man nur bei ganz wenigen einen Hinweis auf eine absolvierte Referendarzeit. Noch weniger haben überhaupt vollzeitlich unterrichtet, und das nur für höchstens ein oder zwei Jahre. Wer nicht wenigstens zehn Jahre vollzeitlich an einer allgemeinbildenden Schule unterrichtet hat, sollte sich nicht anmaßen, „erfahrenen Fuhrleuten zu erklären, wie man eine Kutsche lenkt, ohne je in seinem Leben ein Pferd gesehen zu haben”. Ein Jurastudium hilft hier nicht. Wer sich in eine Ideologie verrennt, hat aufgehört zu denken, sofern er es je konnte. Daher kann man die Schulweisheit der linken „Schulexperten” bei Sozialisten und Grünen in einem Satz zusammenfassen: „Alle Schüler sind gleich intelligent, nur die Lehrer sind verschieden dumm.” Die Ideologie fordert ja die Gleichverteilung.
Wie sind nun aber die geistigen Fähigkeiten, auf denen man aufbauen kann, in der Bevölkerung verteilt? Greifen wir hier auf die Stochastik zurück. Sie enthält außer einem fast immer falsch verstandenen Korrelationskoeffizienten noch viele wesentliche und vor allem grundlegendere Aussagen:
Jede Sruktur der Materie und jede Erkenntnis beruht auf der Unterscheidung mindestens zweier verschiedener Zustände, die beide mit einer von Null verschiedenen Wahrscheinlichkeit eintreten können, oder kann darauf zurückgeführt werden: Entweder es liegt ein bestimmter Zustand vor oder nicht. Dies führt bekanntermaßen zur Bernoulli-Verteilung (oder Binomialverteilung). Da diese Situation in der Natur sehr oft in der gleichen Weise wiederholt wird, und sich die Auswirkungen der Wiederholungen oft addieren, nähern sich viele Wahrscheinlichkeitsverteilungen und damit auch Häufigkeitsverteilungen nach dem Zentralen Grenzwertsatz der Wahrscheinlichkeitstheorie der Normalverteilung (Gaußsche Glockenkurve) an. Natürlich gibt es auch eine ganze Reihe von Ausnahmen, z.B. die Maxwellsche Verteilung der Geschwindigkeiten der Moleküle eines Gases, aber letztlich werden wir in allen Lebensbereichen immer wieder mit der Normalverteilung konfrontiert. Daher wird man auch bei der Betrachtung der Verteilung von geistigen Fähigkeiten die Normalverteilung zugrunde legen müssen. Diese, auch durch die Erfahrung bestätigte, wissenschaftlich begründete Tatsache wird von der Ideologie ignoriert bzw. sogar bestritten. Um die Diskrepanz zwischen Ideologie und Wirklichkeit zu vertuschen wird eine Einheitsschule propagiert und Lehrpläne mit klar formulierten Leistungsanforderungen durch ein vages Sammelsurium von sogenannten „Kompetenzen” und anderen, ebenso nichtssagenden Schlagwörtern ersetzt, damit, der ideologisch bedingten Gleichheitsforderung entsprechend, jeder Deutsche letztlich Professor wird. Demgegenüber wird das althergebrachte dreigliedrige Schulsystem der tatsächlich in der Natur vorliegenden Normalverteilung der geistigen Fähigkeiten am ehesten gerecht, und dem Philologenverband gebührt großer Dank dafür, daß er sich energisch für die Wiedererstarkung des Leistungsprinzips und für das dreigliedrige Schulsystem einsetzt.
Hubert Burchert